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Vize-Schweizermeisterin zum Dritten!

Heute fand die Schweizer Meisterschaft im Rahmen des Raid Evolenard in Evolène statt. Die Ausgangslage war klar: Mit der Vize-Weltmeisterin und aktuellen Weltcup-Leaderin Anna Weinbeer stand die derzeit dominierende Athletin am Start. Das Meistertrikot schien daher bereits vergeben, vorausgesetzt, es würde nichts Unvorhergesehenes passieren. Um Rang zwei, war das Rennen aber offen, wobei ich wusste, dass meine Chancen nicht schlecht standen. Vielleicht machte mich genau das nervös.

Schon beim Aufwachen spürte ich, dass heute kein einfacher Tag werden würde. Dennoch war für mich klar, dass ich alles investieren werde, was ich hatte. Dass es heute hart werden würde, war mir bewusst und genau so kam es auch.
Es ging gleich zur Sache und wie immer an diesem Rennen starteten alle schnell. Weinbeer zog gleich davon und auch die Italienische Meisterin Peretti, zog mit. Dahinter die Französin Moschetti, dann Baumann. Ich hielt mich noch etwas zurück, doch wusste ich auch, dass ich Baumann nicht zu viel Vorsprung lassen durfte. Irgendwann blieb der Abstand aber gleich und im Laufe des Anstiegs konnte ich sie ein und überholen und den Vorsprung etwas ausbauen. Doch auch ich merkte meinen etwas zu schnellen Start und in der ersten Zwischenabfahrt, war ich schon so am Limit, dass ich ziemlich Mühe hatte eine gute Linie zu fahren. Baumann kam da kurz wieder etwas näher, doch konnte ich dann im restlichen Teil des Anstiegs den Vorsprung nochmals etwas ausbauen.

Danach gings runter ins Tal und die erste Hälfte war geschafft, doch wartete nochmals ein harter und kräftezehrender Anstieg auf uns. Schliesslich kam ich Moschetti immer näher und mein Vorsprung nach hinten wuchs. Ich quälte mich weiter und gleich nach der kurzen Zwischenabfahrt war ich an der Französin dran. Natürlich zählte sie nicht zur Schweizermeisterschaft, genauso wie Peretti, so war es für mich in erster Linie wichtig, den zweiten Platz sicher ins Ziel zu bringen. Denn Anna hatte zu diesem Zeitpunkt bereits unglaubliche 18min Vorsprung und war gerade dabei einen neuen Streckenrekord aufzustellen.
Moschetti, wie immer sehr fair, machte gleich Platz, da sie auch wusste um was es bei uns heute ging. Im letzten Teil des Anstiegs schloss sie nochmals auf und ich versuchte ihr Tempo mitzugehen, doch irgendwann war der Ofen definitiv aus und ich musste sie ziehen lassen. Auch in der Abfahrt musste ich mich nochmals stark konzentrieren und war froh, als es geschafft war. So reichte es heute mit Rang 4 nicht ganz fürs Gesamtpodest, jedoch war ich zweite Schweizerin und wurde somit zum dritten Mal Vize-Schweizermeisterin. Der Titel jedoch bleibt vorerst doch noch ein Traum.

Vor ziemlich genau acht Monaten setzte ich mir dieses Rennen als grosses Ziel – obwohl 8 Monate lange klingt wusste ich, dass es knapp werden würde, rechtzeitig wieder in Form zu kommen. Es war rund einen Monat nach meiner Knie-Operation und ich sass noch immer nicht auf dem Bike. Im Gegenteil: Das Knie war etwas zu stark gereizt und ich sollte es für einige Tage ruhig angehen lassen.
Als ich den Physio fragte, was denn mit Schwimmen sei, schaute er mich an und sagte: «Nimm doch ein Buch und leg dich hin!» Viel sagte ich nicht dazu, aber ich tat was empfohlen wurde. Vielleicht lag es tatsächlich an diesem einen Buch, das ich damals las. Jedenfalls setzte ich mir genau zu diesem Zeitpunkt, dieses Rennen als Ziel und wollte bis dahin wieder so fit wie möglich sein.
Ich weiss, dass noch etwas fehlt und meine Form noch nicht ganz dort ist, wo ich sie gerne hätte, doch hätte das an der heutigen Platzierung an der SM nichts geändert. Trotzdem macht es mich stolz, dass ich es so weit geschafft habe.
Genau deshalb war es heute für mich nicht der Titel, der unerreichbar war, sondern vielmehr die Silbermedaille, die ich gewonnen habe, welche für mich persönlich eine spezielle Bedeutung hat.

Deshalb möchte ich nochmals allen Danken, die dazu beigetragen haben.
Und danke Patrizia, Nicolà, Kim und Tina fürs Betreuen am heutigen Rennen!

Foto: uncut99.ch