Nachdem ich bei der letztjährigen WM-Austragung hier am Grand Raid, verletzungsbedingt am Streckenrand stand, war für mich klar, dass das Rennen dieses Jahr wieder fix im Kalender steht. Nun war es so weit und ich stand wie immer mit grossem Respekt vor den 125km und 5000hm am Start. Aber die Vorfreude war sehr gross und nach einem verregneten Freitag würde heute ein perfekter Tag werden, wenn auch mit etwas kühlen Temperaturen.
Die Polin Gorycka-Kurmann, war in meinen Augen die heutige Favoritin und tatsächlich fuhr sie von Beginn weg ihr Tempo davon. Dahinter die Französin Moschetti und die Deutsche Morath, dann Zahno und ich.
Auch wenn ich noch auf Rang 4-5 unterwegs war, machte mich das nicht nervös, denn ich wusste, dass heute noch ein langer Tag werden würde. Etwa nach zweidrittel des Anstiegs viel Zahno jedoch weg und ich fuhr mein Tempo weiter. Auch wenn ich den Abstand zu Moschetti und Morath möglichst klein halten wollte, wusste ich, dass Moschetti oft schneller als ich startet und ich hingegen zum Schluss meist noch etwas aufdrehen kann. Mein Plan war es, in der ersten Abfahrt den Anschluss wieder zu schaffen, um dann mit den beiden zusammen den Weg bis Hèrèmence in Angriff zu nehmen. Denn auf diesem Streckenteil wäre es von Vorteil nicht allein unterwegs zu sein. Leider ging der Plan nicht ganz auf, obwohl ich mich oben noch an ein paar Männer vorbeidrücken konnte, waren mir dann im unteren Teil des Trails, doch noch ein paar im weg und das Tempo viel zusammen. Natürlich stehen im Flowtrail nicht einfach gleich 5 Männer zur Seite und lassen mich vorbei, so musste ich mich gedulden, im Wissen, dass mir die anderen Frauen davonfuhren. Doch denn Anschluss zu Morath bekam ich mit etwas mehr Aufwand als geplant gerade am Fuss des nächsten Anstiegs noch hin, Moschetti sah ich aber nicht mehr. Das war auch nicht schlecht, doch war Zahno schon wieder im Anmarsch und schaffte den Anschluss später nochmals. Vor Veysonnaz war es dann Morath, die unerwartet weg viel und ich war wieder allein mit Zahno unterwegs. So versuchten wir zusammen den Abstand zu Moschetti gering zu halten, doch irgendwie hatte ich das Gefühl, dass wir zu langsam unterwegs waren. Uns wurde der Rückstand immer mitgeteilt, welcher nun schon bei ca. 2.5 min war, und ich merkte, dass wir bereits in Hèremènce 10min hinter „meiner Marschtabelle“ lagen. (Da wusste ich noch nicht, dass heute allgemein die langsameren Zeiten gefahren wurden.)
Nun begann der Anstieg zum Mandelon und mir war klar, dass hier der beste Ort war, Zahno davon zu fahren. Ausserdem wollte ich Moschetti nun nicht noch mehr Vorsprung lassen. Mein Plan war im Aufstieg bereits eine Lücke zu reissen und dann diese im Höhenweg noch etwas zu vergrössern. Es war zwar noch früh und auch etwas riskant, hier einiges an Energie zu verbrauchen, aber da ging mir das Rennen der Männer durch den Kopf. Mir ist bewusst, dass die Männer anders fahren und oft von Anfang an mehr riskieren (müssen) und auch die Taktik eine Rolle spielt. Das alles finde ich sehr spannend und davon kann man auch als Frau etwas lernen oder vielleicht mal etwas übernehmen. Da viel mir ein, dass die Männer oft hier das Rennen so richtig „eröffnen“ und so riskierte ich es dieses Mal.
Ich verschärfte das Tempo etwas, Zahno blieb am Hinterrad, aber ich merkte, dass sie keine Ablösung mehr fahren konnte. Ich verschärfte noch zwei Mal, bis auf einmal das Loch da war. Ich fühlte mich gut und kam passabel über den Höhenweg am Mandelon. Tatsächlich hatte ich in Evolène schliesslich etwas mehr als zwei Minuten Vorsprung und der Rückstand auf Moschetti betrug 3min. Ich wusste, dass dies noch möglich war aufzuholen, doch merkte ich auch, dass das Manöver am Mandelon eben doch ein paar Körner gekostet hatte. Dementsprechend wurde der Anstieg bis zur Alp L’A Vieille hart, auf dem danach noch fahrbaren Trail, war ich ebenfalls am Limit. Schliesslich kam die Laufpassage hoch zum Pas de Lona und obwohl ich motiviert und zuversichtlich war, hatte ich heute meine Mühe hier ein zügiges Tempo zu gehen. Zwar sah ich Zahno nirgends hinter mir, aber auch Moschetti war nicht mehr in Sichtweite. Als ich endlich dem Pas de Lona erreichte, wusste ich, dass nach vorne leider der Zug abgefahren war. Ich gab auch im Gegenanstieg nochmals alles, aber viel kam da nicht mehr. In der Abfahrt riskierte ich zwar nicht Kopf und Kragen, doch wollte ich nun einfach schnellstmöglich ins Ziel. Ich fuhr so schnell, wie ich mich noch wohlfühlte und den Lenker noch halten konnte.
Mein Ziel war es heute aufs Podest zu fahren und das habe ich mit Rang 3 geschafft und freue mich darüber. Zuerst zwar mit etwas gemischten Gefühlen, weil ich am Schluss nicht mehr aufdrehen konnte und ausserdem nicht an meine persönliche Bestzeit herankam. Neben Gorycka-Kurmann, welche souverän gewann, war Moschetti heute wirklich sehr stark unterwegs und konnte eben genau am Schluss noch Zeit herausfahren und ich diesmal leider nicht. Aber manchmal muss man eben auch etwas riskieren. Und das Beste an allem, ich weiss wo ich vor einem Jahr stand und es war sehr schön heute wieder selbst mitzufahren, denn es ist und bleibt einfach eines der besonderen Rennen!
Sorry für den langen Bericht, aber 8 Stunden Rennzeit sind halt eben auch lange 😉