Mit einem lachenden und einem weinenden Auge stand ich am Start des «Extreme sur Loue» in Ornans, denn es war tatsächlich bereits das letzte Rennen der Saison. Einerseits fand ich es schade, dass die Saison bereits um ist, andererseits merkte ich in den letzten Wochen auch im Training, dass die Energie nachliess und langsam, aber sicher eine Pause nicht schadet.
Natürlich wollte ich aber auch am letzten Rennen nochmals alles geben und freute mich sehr darauf.
Wie meistens in Ornans ging es gesittet los, denn die ersten 8km waren flach und das übersichtliche Frauenfeld blieb somit zusammen. Ich kannte zwar einige Fahrerinnen nicht, doch hoffte ich auch heute, vorne mitfahren zu können. Somit fühlte ich mich verpflichtet, mich ebenfalls an der Führungsarbeit zu beteiligen, was ich auch tat.
Da das Rennen mit 66km und 1900hm im Verhältnis relativ kurz ist, (durch den Untergrund aber sehr kräftezehrend) neigt man schnell dazu sich bereits zu Beginn zu «verheizen». Um dies zu vermeiden, versuchte ich von Anfang an ein gutes Tempo zu finden, aber trotzdem mit dem Ziel, bereits einige Fahrerinnen loszuwerden. Dies funktionierte dann auch und zusammen mit der Deutschen Friderike Schnatz und der Italienerin Costanza Fasolis konnten ich mich bereits etwas absetzten. Zuoberst des ersten Anstiegs setzte ich mich an die Spitze um als erste in den Trail und in die Abfahrt zu kommen. Mit einem guten Vorsprung kam ich unten an, was mich etwas überraschte, denn ich wusste, dass Costanza eine gute Abfahrerin ist. Ich überlegte aber nicht lange und nutzte den Vorsprung aus. Nun bereits nach 20km allein unterwegs nahm ich mir vor, einen guten Rhythmus zu finden und ausserdem sauber und kontrolliert zu fahren, denn die Abfahrten in Ornans sind heimtückisch und haben immer eine Überraschung bereit.
Und genau das wurde mir noch beinahe zum Verhängnis. Zuunterst der zweiten lagen Abfahrt war die Strasse vom Wasser ziemlich ausgewaschen und hatte teilweise tiefe Furchen. Zu wenig vorausschauend sah ich ein riesiges Loch viel zu spät und das Einzige, was ich noch machen konnte, war Lenker halten und noch halbwegs hinter den Sattel und hoffen, dass ich nicht über den Lenker fliege. Zum Glück konnte ich mich noch auf dem Bike halten, jedoch wusste ich schon bevor es zischte, dass mein Vorderrad sehr wahrscheinlich bald Platt sein wird. Kurz darauf spritzte dann auch schon Dichtungsmilch aus dem Pneu, doch ich hatte auch hier Glück, denn kappe 500m später war die Techzone und ich konnte gleich mein Vorderrad wechseln. Somit lag ich immer noch in Führung, auch wenn der Vorsprung etwas geschrumpft war.
Ich schaute zurück, doch Costanza war noch nirgends zu sehren. Doch im letzten Anstieg wurde der Untergrund immer mühsamer und ich hatte das Gefühl überhaupt nicht mehr voranzukommen und tatsächlich sah ich sie wieder hinter mir. Schliesslich wurde es auch noch so schlammig, dass die Räder für einen Moment fast blockierten. Nachdem ich mich durch den Schlamm gekämpft hatte, musste ich nochmals kurz stoppen, um das «vom Dreck verstopfte Bike» etwas zu putzten, damit die Räder wieder drehten und ich wieder schalten konnte. Da war Costanza auch schon fast bei mir, doch natürlich hatte sie dasselbe Problem, sodass ich den Abstand wieder vergrössern konnte. So brachte ich den Vorsprung noch bis ins Ziel und konnte zum Saisonabschluss einen weiteren Sieg einfahren.
Sehr zufrieden mit meiner Saison und einem solchen Abschluss, bedanke ich mich bei allen, die mich in irgendeiner Form unterstützten! Ich freue mich bereits auf das nächstes Jahr und werde weiterhin mein Bestes geben um hierauf aufzubauen!
