Zusammen mit Kim Ames stand ich letzten Mittwoch am Start des diesjährigen Spar Swiss Epic mit den Etappenorten Davos und La Punt. Ich merkte bereits am Abend davor und auch vor dem Start, dass das Eigerbike vom Samstag doch noch etwas in den Beinen lag. Nichtsdestotrotz war ich optimistisch und bereit alles zu geben.
Kurz nach dem Start merkten wir bereits früh, dass wir, oder zumindest ich, Bergauf etwas zu langsam unterwegs waren, jedoch konnten wir die Lücke jeweils in den Abfahrten wieder schnell schliessen. So waren wir bis unten am Albula noch in der Verfolgergruppe zusammen mit 3 anderen Teams, während sich das Team Efficient Infiniti bereits abgesetzt hatte. Im Aufstieg zum Albula Pass verpassten wir dann aber den Anschluss und obwohl wir in der Abfahrt einiges aufholen konnten, reichte es knapp nicht fürs Podest.
Auch am zweiten Tag erreichten wir den 4. Rang, doch da das eine Team wegen unerlaubtem Windschatten fahren bei einem Männerteam eine massive Zeitstrafe bekam, rückten wir im Gesamtklassement auf den 3. Rang vor.
Das Zeitfahren am 3. Tag sahen wir schon sehr früh als unsere Chance. Die Etappe startete auf dem Bernina Pass und führte runter bis nach Pontresina, dann kupiert durch den Stazerwald, über Champfèr – St. Moritz hoch zur Alp Laret und zurück nach La Punt. Da Kim und ich Bergab unseren Vorteil sahen, waren wir optimistisch, dass es vielleicht fürs Podest reichen würde. So starteten wir und mit komplett freier Bahn ging es in die Abfahrt. Wir harmonierten perfekt und schnell fanden wir einen fantastischen „Flow“, es ging wie von selbst und wir fuhren, beinahe Rad an Rad, Vollgas die Abfahrt runter. So waren wir zwischenzeitlich, nach 22km tatsächlich in Führung. Wir wussten aber, dass noch ein paar Höhenmeter vor uns lagen und wir den Vorsprung nun so gut wie möglich ausnutzten, müssten. So konnte uns tatsächlich nur noch das Leader Team überholen und wir landeten auf dem zweiten Rang. Was war das für ein unglaublicher Tag!
Tag vier stand uns dann die Transfer Etappe über den Scalettapass zurück nach Davos bevor. Obwohl ich als fast Einheimische den Scalettapass nicht kannte (was aber niemand wusste), sei er bekanntlich ziemlich hart, mit einer ruppigen Abfahrt. So war es dann auch und wir beschlossen von Beginn weg unser Tempo zu fahren und lagen an 5ter Stelle. Doch zuoberst des Scalettapasses konnten wir das Loch zu Torpado und Cannondale beinahe schliessen, sodass wir in der Abfahrt überholten. Trotz starkem Regen und der dadurch nass und rutschigen Abfahrt, fühlte ich mich wohl und keine einzige Sekunde unsicher. Kim ging es anscheinen gleich und wir konnten erneut, trotz den schwierigen Bedingungen die anderen Teams distanzieren. Da ich aber schon wieder ziemlich im Elend war, zog mich Kim zum Schluss noch im Windschatten über die Fläche ins Ziel und es reichte für den 3. Rang.
Mit einem guten Vorsprung von etwas mehr als 40min auf Platz 4 lagen wir nun mehr oder weniger sicher auf dem 3. Schlussrang. Aber, auch die letzte Etappe musste noch gefahren werden und obwohl uns klar war, dass wir kein Risiko mehr eingehen wollten, zweifelten wir zwischenzeitlich doch noch daran das Swiss Epic auf dem Podest, oder überhaupt zu beenden. Zu Beginn lief alles gut, wir fuhren im ersten Anstieg unser eigenes Tempo und konnten in der einen Abfahrt von Rang 5. ohne Risiko zum dritt platzierten Team aufschliessen. Obwohl Team Buff Megamo uns im nächsten Anstieg wieder distanzierte, lagen wir nun mit wenig Rückstand auf Rang 4. Nach einer kurzen Laufpassage sagte ich zu Kim, dass ich im Trail heute nicht so gut zureicht kam wie die Tage davor, und lieber zur Sicherheit etwas langsamer fahren würde. Sie stimmte mir zu und nach wenigen Metern geschah mir trotzdem ein Missgeschick, sodass ich mit dem Fuss hangabwärts auftreten musste. Da es aber ziemlich steil runter ging und ich natürlich noch das Bike zwischen mir hatte, trat ich unglücklich auf und ich hörte einen eindeutigen Knall. Ich wusste sofort, dass etwas nicht in Ordnung war, doch irgendwie kam ich wieder hoch auf den Weg, und zurück aufs Bike. Das ganze Bein zitterte und das Knie fühlte sich ziemlich instabil an, doch ich wusste, dass ich gleich weiterfahren musste, bevor die Muskulatur kalt werden würde und mein Adrenalin nachliess, ansonsten würden die Schmerzen vielleicht zu stark sein. Nachdem mich Kim bei der Verpflegung nochmals fragte, ob ich mir nun sicher sei das Rennen beenden zu wollen, ging es weiter. Wir mussten den Vorsprung verwalten, alles andere war nun zweitrangig. Dank Kims Hilfe, konnten wir das Rennen auf dem 4ten Rang und somit dem 3ten Gesamtrang beenden und dies nach einer wunderbaren Woche. Danke Kim für alles, es hat einfach super gepasst und es machte so viel Spass zusammen die Trails runterzurasen, ich vermisse es jetzt schon.
Am Tag danach kam dann das, was man nicht hören möchte und als Sportler schon gar nicht. Nach dem MRI war klar, dass mein vorderes Kreuzband gerissen und das Innenband angerissen waren. Obwohl ich wusste, dass etwas nicht stimmte, war es dann doch ein ziemlicher Schock und das grosse Highlight, die Heim-WM im Wallis in 2.5 Wochen, sowie die restlichen Rennen der Saison fallen für mich weg.
Von einer Sekunde auf die andere verändert sich der Blickwinkel: ärgert man sich vielleicht mal über einen schlechten Renntag, wäre ich jetzt glücklich überhaupt eine Runde auf dem Bike drehen zu können. In Gedanken fahre ich gerade einen wunderschönen Trail mit viel Aussicht und einer wunderbaren Berglandschaft bei mir zuhause!
Tatsache ist, dass dies in nächster Zeit nicht möglich sein wird und ich das Ganze nicht mehr Rückgängig machen kann. Es bleibt also nichts anderes übrig als das Beste daraus zu machen und nach vorne zu schauen, auch wenn es ein längerer Weg zurück sein wird. Ich werde wie immer mein Bestes geben, um so bald wie möglich wieder zurück auf dem Bike zu sein. #stepbystep und immer das Ziel vor Augen :-)!
Foto: Marius Holler
